Bibliotheken im Bezirk – eine unendliche Geschichte

Die Bibliotheken in Charlottenburg-Wilmersdorf, wie auch in anderen Bezirken Berlins, leiden seit Jahren durch finanziellen Einsparungen an chronischer Auszehrung. Sie sehen sich der unmittelbaren Gefahr eines Substanzverlusts gegenüber. Bibliotheken, „Schatzkammer des Wissens“ (chin. Sprichwort) haben einen Bildungsauftrag. Bibliothekare unterstützen Schüler bei Rechercheaufgaben und sind engagiert in der Leseförderung auch wenn diese aufgrund der Personalsituation noch ausbaufähig ist.

Zur Erinnerung: Zunächst gab es nur einen Speicherplatz: die Sprache. (Am Anfang war das Wort). Nunmehr sind Bücher und Computer hinzugekommen. Die Bibliothek versammelt diese Schätze und vernetzt sie. Sie ist ein schriftgestütztes System der Weitergabe von Wissen und sollte idealerweise sowohl Kontinuität als auch permanente Erneuerung widerspiegeln. Ehrenamtliches Engagement kann hier ergänzend sinnvoll sein (z.B. Lesung mit und für Kinder), sollte aber nur eine unterstützende Wirkung erzielen.

Zwischengedanke: Wieso gibt es eigentlich kein überzeugendes Marketing für Bibliotheken? Wo ist das einprägsame Logo? Wie wäre es mit Bonuskarten in der Bibliothek, z.B. wer 10x innerhalb eines bestimmten Zeitraums ausleiht, bekommt ein Reklamheft geschenkt? Wohlgemerkt: Hier soll nicht einer Privatisierung das Wort geredet werden. Aber in einer Gesellschaft, die stark auf Anreize ausgerichtet ist, können sich auch Bibliotheken diesem Anreizsystem nicht entziehen. Sollen Bibliotheken als Treffpunkt funktionieren, gehört Erkennbarkeit dazu.

Die strategischen Entwicklungsmöglichkeiten der Bibliotheken im Bezirk sind aufgrund der Finanzsituation begrenzt. Erstrebenswert ist die Beibehaltung von zwei Hauptbibliotheken und mehreren Stadtteilbibliotheken. Hier soll die Zusammenarbeit mit Stadtteilbibliotheken anderer Bezirke, dort wo sie sich bietet, zu Synergieeffekten genutzt werden.

Das Sammeln von Schriften ist eine Aufgabe der Allgemeinheit. Wer sind die Interessenvertreter der Bibliothek in der Öffentlichkeit und der Politik? Die Piraten haben bereits bei den Wahlen 2011 die Forderung des dt. Bibliotheksvereins übernommen, dass Bibliotheken eine Pflichtaufgabe des Staates sein sollen, damit wären sie vor „Streichkonzerten“ geschützt. Wenn Bibliotheken einen Bildungsauftrag erfüllen sollen, dann dürfen sie nicht bei jeder Gelegenheit haushaltspolitischen Sparzwängen zum Opfer fallen. Bildung und Bibliothek bilden eine Einheit; werden sie an einer Stelle ständig „ausgehungert“, fällt das ganze System irgendwann in sich zusammen. Anders formuliert: „Bibliotheken und Bildung“ gehören mindestens so zusammen wie „Bed and Breakfast“.

Vor diesem Hintergrund ist der Bibliotheksentwicklungsplan[1], der z.Zt. von den Bezirksverordneten diskutiert wird, weder Motor noch Makulatur, sondern ein erster, sehr kleiner Schritt in Richtung auf eine Entwicklung von Bibliothek, bzw. eines Systems von Bibliotheken als ortsnaher Begegnungspunkt in den Kiezen, der unterschiedlichste Bedürfnisse und Interessen miteinander verbindet.

[1]http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/bvv-online/___tmp/tmp/45-181-1367346543/7346543/00051473/73-Anlagen/04/4_Version_vom_08_05_2013.pdf